Der deutsche Reiseschriftsteller Volker Häring berichtete im Chinesischen Kulturzentrum in Berlin über seine Radtour durch China, 9. April 2026. (Xinhua/Du Zheyu)
BERLIN, 14. April (Xinhua) -- Insgesamt 138 Tage. Fast 7.000 Kilometer quer durch China. Zwei Deutsche und zwei Fahrräder.
Als der deutsche Reiseschriftsteller Volker Häring und sein Begleiter Christian Y. Schmidt im Oktober 2023 von der ostchinesischen Provinz Jiangxi aufbrachen, begaben sie sich auf eine Reise sowohl durch die Landschaft als auch durch die Geschichte. Ihr Ziel war Yan'an in der nordwestchinesischen Provinz Shaanxi, während sie auf Elektrofahrrädern die Route des Langen Marsches nachfuhren.
„Wer den Geist des Langen Marsches nicht versteht, kann China nicht wirklich verstehen“, berichtete der 57-jährige Häring am Donnerstag im Chinesischen Kulturzentrum in Berlin von seiner Reise.
Diese Worte habe er vor mehr als 20 Jahren zum ersten Mal von einem chinesischen Veteranen gehört, der an dem Marsch teilgenommen hatte. „Von diesem Tag an“, sagte Häring, „wusste ich, dass ich das tun musste.“
Der Lange Marsch (1934-1936) war ein militärisches Manöver der Roten Armee der chinesischen Arbeiter und Bauern, der später zu einem prägenden Ereignis der modernen chinesischen Geschichte wurde. Der Marsch symbolisiert Ausdauer und Beharrlichkeit, denn die Truppen durchquerten einige der rauesten Gebiete des Landes, um eine neue revolutionäre Basis zu errichten. Einige marschierten bis zu 12.500 Kilometer weit und ertrugen dabei Hunger, Durst und Kälte.
„Der Marsch stellte die menschliche Ausdauer auf eine harte Probe und schmiedete dabei einen Geist der Beharrlichkeit, aus dem das chinesische Volk noch heute Kraft schöpft“, erklärte Häring gegenüber Xinhua.
Entlang der Route tauchten laut Häring Wanderwege zum Thema „Langer Marsch“, Markierungen mit „rotem“ Bezug sowie Skulpturengruppen, Gedenkhallen und Museen auf, und zwar nicht nur an bekannten revolutionären Stätten wie Ruijin und Zunyi, sondern auch in weniger besuchten Kreisen, an Gebirgspässen und Flussübergängen.
„Der Lange Marsch ist nicht mit der Zeit aus dem Leben der Chinesen verschwunden“, erklärte Häring dem Publikum. „Er lebt in anderer Form weiter.“
Die Geschichte nachzuverfolgen, erwies sich als körperlich anstrengend. Das Radfahren über große Entfernungen, besonders in der Höhe, forderte schnell seinen Tribut. In eiskalten Nächten konnten sie kaum schlafen. Die Überquerung des ersten schneebedeckten Berges auf über 4.100 Metern Höhe erschöpfte sie fast völlig. Im Westen von Sichuan machten Kälte, Gegenwind, Höhe und unerbittliches Gelände selbst Abfahrten zu einer Herausforderung.
Doch, so Häring, gerade in diesen schwierigen Momenten habe er die Freundlichkeit der Menschen, denen sie begegneten, am stärksten gespürt.
Er erinnerte sich, dass sie „oft zum Essen eingeladen“ worden seien und dass die Menschen ihnen unterwegs Orangen, Bananen und anderes Essen gereicht hätten.
Sobald die Einheimischen erfahren hätten, dass sie auf der Route des Langen Marsches unterwegs seien, wären „sämtliche Vorbehalte, die vielleicht da waren, auch gleich zur Seite geschoben worden“, und schnell Herzlichkeit und Respekt gewichen, sagte Häring. „Die Begegnung mit so vielen freundlichen und warmherzigen Chinesen war einer der wertvollsten Aspekte der Reise.“
Über die physische Reise hinaus beobachtete Häring auch, wie sehr sich China verändert hat. Er besuchte das Land zum ersten Mal im Jahr 1990. In den vergangenen drei Jahrzehnten hat er in China studiert, mehrere Bücher über Reisen im Land geschrieben, Radfahrergruppen durch Städte und Landschaften geführt, viele Jahre in Beijing gelebt und mehr als 60.000 Kilometer mit dem Fahrrad durch China zurückgelegt.
Als er in den 1990er Jahren nach China gegangen sei, um Chinesisch zu lernen, habe er sich „noch nicht getraut“, dort Rad zu fahren, sagte Häring. Heute sei das „völlig anders.“
Trotz der vielen Schwierigkeiten durch Höhenunterschiede, Wetter und andere Herausforderungen habe die moderne Infrastruktur des Landes die Nachverfolgung der Route erheblich erleichtert, erkannte Häring an.
„Die Straßen sind so viel besser geworden in China über die letzten 30 Jahre“. Noch wichtiger sei die intelligentere Straßenplanung, die den Verkehr umgeleitet und in vielen Teilen des Landes lange Abschnitte ruhigen Radfahrens ermöglicht habe, sagte Häring.
Doch der Wandel geht in seinen Augen weit über die Straßen hinaus. Mobile Zahlungen, digitale Landkarten und andere Technologien sind mittlerweile fest in das Reiseerlebnis eingebunden und verändern die Art und Weise, wie sich die Menschen im Land fortbewegen.
Häring sagte, er empfehle den Menschen, sich China selbst anzuschauen. Nur wenn man vor Ort sei und durch die Landschaft reise, könne man die Realität der Entwicklung des modernen Chinas wirklich verstehen und spüren.
