Sinologen erörtern chinesische Antworten auf moderne Herausforderungen an Knotenpunkt historischer Seidenstraße - Xinhua | German.news.cn

Sinologen erörtern chinesische Antworten auf moderne Herausforderungen an Knotenpunkt historischer Seidenstraße

2026-06-11 10:02:42| German.news.cn
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LANZHOU, 10. Juni (Xinhua) -- Vor dem Veranstaltungsort der 3. Weltkonferenz der Sinologen in Dunhuang im Nordwesten Chinas nutzte der Deutsche Joel Mikael Walker einen Kleinbus als provisorische Klinik für traditionelle chinesische Medizin (TCM).

Der TCM-Praktiker berührte sanft das Handgelenk einer Besucherin, um ihren Puls zu fühlen. In fließendem Chinesisch mit deutlichem Henan-Akzent riet er der Besucherin, besonders auf ihre Schilddrüse zu achten. Erstaunt erzählte die Besucherin, dass bei ihr zuvor ein Schilddrüsenknoten diagnostiziert worden war.

Für den 1995 geborenen Deutschen Walker, der mehr als ein Jahrzehnt lang TCM in der zentralchinesischen Provinz Henan studiert hat, war dieser Moment mehr als nur ein medizinischer Austausch. Es war ein kleines Beispiel dafür, wie selbst die geheimnisvollsten chinesischen Philosophien von Menschen aus westlichen oder anderen Kulturen gut verstanden und angewendet werden können.

„Was mich am meisten überrascht hat, war die chinesische Sichtweise, das Universum als ein miteinander verbundenes Ganzes in dynamischem Gleichgewicht zu betrachten“, sagte Walker bei der Eröffnungszeremonie der 3. Weltkonferenz der Sinologen, die am 3. Juni in Dunhuang, einem wichtigen Knotenpunkt der historischen Seidenstraße in der Provinz Gansu, begann.

„Die chinesische Kultur hat mich gelehrt, dass Yin und Yang in ständiger Bewegung sind und dass Konflikte nicht zwangsläufig eine Konfrontation erfordern. Sie können auch in etwas anderes verwandelt werden“, sagte Walker. „Heute braucht die Welt mehr denn je den Dialog, und die chinesische Kultur bietet in dieser Hinsicht wertvolle Erkenntnisse.“

Die Konferenz unter dem Motto „Die Weisheit der Zivilisationen bündeln, um gemeinsam die Herausforderungen unserer Zeit anzugehen“ hat mehr als 300 Wissenschaftler und Kulturschaffende aus rund 70 Ländern zusammengebracht. In dieser Oase an der historischen Seidenstraße beschrieben viele Teilnehmer die Sinologie nicht nur als das Studium des klassischen Erbes Chinas, sondern auch als einen Weg, um zu verstehen, wie die chinesische Zivilisation weiterhin den Alltag, den interkulturellen Austausch und die Antworten auf globale Herausforderungen prägt.

SINOLOGIE BEWEGT SICH VON BÜCHERN ZU GELEBTER ERFAHRUNG

Die Wahl von Dunhuang als Gastgeberstadt hat eine besondere symbolische Bedeutung.

Vor mehr als 2.000 Jahren war Dunhuang ein wichtiger Knotenpunkt an der historischen Seidenstraße. Chinesische Seide und chinesischer Tee gelangten über die Stadt nach Westen, während Trauben, Karotten, Granatäpfel und andere einst exotische Erzeugnisse über die Route ihren Weg nach China fanden.

Die Stadt ist nach wie vor eines der wichtigsten kulturellen Wahrzeichen Chinas. Dort befinden sich die Mogao-Grotten, die bis ins 4. Jahrhundert zurückreichen. Der Ort bewahrt 735 antike Höhlen, mehr als 2.000 bemalte Skulpturen und 45.000 Quadratmeter Wandmalereien.

Der ehemalige äthiopische Präsident und Sinologe Mulatu Teshome Wirtu sagte, bei der Seidenstraße sei es nie nur um den Handel mit materiellen Gütern wie Seide, Holz oder Gewürzen gegangen. Viel wichtiger sei, dass sie einen intensiveren Austausch zwischen den Gesellschaften ermöglicht habe.

Heute diskutieren Wissenschaftler, die sich in Dunhuang versammelt haben, über ein wachsendes internationales Interesse an China, beispielsweise an Kampfkunst, Kalligraphie, der chinesischen Sprache und alltäglichen chinesischen Gewohnheiten.

Ingar Solty, Referent der Rosa-Luxemburg-Stiftung, sagte, eine jüngere Generation im Westen sei zunehmend neugierig auf China. Er verwies auf den Online-Trend, der manchmal als „Chinamaxxing“ bezeichnet wird. Dabei zeigen junge Menschen Interesse an Aspekten des chinesischen Alltags, vom Trinken von heißem Wasser über das Tragen von Hausschuhen bis hin zur Ausübung traditioneller Wellness-Gewohnheiten.

Sébastien Joseph Roland Périmony, Leiter des Büros für China-Afrika-Angelegenheiten des Schiller-Instituts in Frankreich, machte eine ähnliche Beobachtung.

Viele Menschen seiner Generation hätten einst unter dem Einfluss von Basketball, Filmen und Popkultur von den Vereinigten Staaten geträumt, sagte Périmony. Heute jedoch sähen seiner Meinung nach mehr junge Menschen in Frankreich und ganz Europa China als ein Land der Sicherheit, der Entwicklung, der Innovation und des friedlichen Umgangs mit geopolitischen Fragen.

Infolgedessen würden immer mehr junge Menschen aus ganz Europa nach China reisen und das Land als interessant und erkundenswert ansehen, fügte Périmony hinzu.

CHINESISCHE IDEEN ALS ANTWORTEN AUF GEMEINSAME ÄNGSTE

Viele Konferenzteilnehmer sagten, das wiederauflebende Interesse an der chinesischen Kultur trete zu einer Zeit auf, in der die Welt mit zunehmenden Konflikten, Ungleichheit und Misstrauen konfrontiert sei.

Mohamed Rasheed, Vorsitzender der China-Maldives Cultural Exchange Association, sagte, kaum jemand hätte zu Beginn des 21. Jahrhunderts erwartet, dass die Welt mit so vielen Kriegen und solch großen wirtschaftlichen Ungleichheiten konfrontiert sein würde.

Rasheed sagte, die chinesische Zivilisation, die sich über 5.000 Jahre hinweg entwickelt habe und von Denkern wie Konfuzius und Lao Tzu geprägt sei, lege seit jeher Wert auf Menschlichkeit, Demut, Güte und Harmonie. Die chinesische Kultur setze sich für Vielfalt und Harmonie ein, was heute von großer Bedeutung sei.

„Wir brauchen die östliche Philosophie, insbesondere die chinesische Philosophie, damit sie eine führende Rolle spielt, wenn wir dauerhaft Frieden und Harmonie in der Welt erreichen wollen“, sagte Rasheed.

Wirtu sagte, Chinas Modernisierung verbinde materiellen Wohlstand mit spiritueller Erfüllung und vereine Landwirtschaft, Industrie, Wissenschaft und Technologie in einem umfassenden Transformationsprozess. „Ich glaube, dass China das Wesen der Modernisierung erfasst und anderen Entwicklungsländern eine wertvolle Orientierung bietet“, sagte er.

Die spanische Ministerin für Jugend und Kinder, Sira Abed Rego, erklärte, dass Zusammenkünfte wie die Dunhuang-Konferenz besonders wichtig seien in einer Zeit, in der Kriege, Konfrontationen, Wettrüsten und Misstrauen weltweit wieder an Bedeutung gewinnen.

Manche würden versuchen, die Welt davon zu überzeugen, dass internationale Ordnung nur auf Macht, Abschreckung und Zwang aufgebaut werden könne, so Rego. China hingegen habe durch das Eintreten für multilaterale Zusammenarbeit, gegenseitigen Respekt und Vertrauen zwischen den Völkern wichtige Beiträge geleistet.

Rego sprach Menschen auf der ganzen Welt, die sich für den Austausch zwischen den Zivilisationen einsetzen, ihre tiefe Anerkennung aus.

„Wissen ist niemals ein Luxus, der auf den Elfenbeinturm beschränkt ist, sondern ein Grundpfeiler des Friedens“, so Rego. „Jeder, der Sprachen studiert, Kulturen übersetzt und Zivilisationen erforscht, trägt dazu bei, Barrieren abzubauen und die Welt vor Konflikten zu bewahren.“ (Videoreporter: Zhang Wenjing, Lu Zhiyi, Liu Keying, Ma Sha, He Wen, Wen Jing; Videoredakteure: Zhao Tianlin, Luo Hui, Li Ziwei)

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