Deutscher Wirtschaftsvertreter fordert pragmatischen Ansatz für Beziehungen zwischen China und EU - Xinhua | German.news.cn

Deutscher Wirtschaftsvertreter fordert pragmatischen Ansatz für Beziehungen zwischen China und EU

2026-10-16 09:04:32| German.news.cn
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Das Foto zeigt Besucher am Stand von Hongqi auf der Automechanika in Frankfurt am Main, 11. September 2024. (Xinhua/Zhang Fan)

BERLIN, 15. Oktober (Xinhua) -- Deutschland und die Europäische Union sollten sich ihren eigenen strukturellen wirtschaftlichen Herausforderungen stellen, anstatt als Reaktion auf den wachsenden Wettbewerb aus China in erster Linie auf Protektionismus zu setzen, sagte Michael Schumann, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes für Wirtschaftsförderung und Außenwirtschaft.

Angesichts der sich verschärfenden Debatte über die China-Politik in Europa betonte Schumann die Notwendigkeit, zwischen Wettbewerbsdruck und den zugrunde liegenden Ursachen der industriellen Schwierigkeiten Europas zu unterscheiden.

„Der Wettbewerb aus China ist real; er ist jedoch nicht die Hauptursache für die strukturellen Schwierigkeiten Europas und Deutschlands“, sagte Schumann in einem Interview mit Xinhua.

Deutschland und andere europäische Volkswirtschaften stünden vor seit langem bestehenden strukturellen Problemen, so Schumann. Dazu würden unter anderem zu geringe Investitionen in die Infrastruktur, übermäßige Bürokratie, hohe Energie- und Arbeitskosten sowie eine übermäßige Abhängigkeit von technologischen Vorteilen gehören, die einst als selbstverständlich galten. Er wies darauf hin, dass der Wettbewerb aus China zwar einige dieser Schwächen offengelegt und die Notwendigkeit von Veränderungen beschleunigt habe, jedoch nicht deren Ursache sei.

Europa würde einen schwerwiegenden strategischen Fehler begehen, wenn es auf seine Herausforderungen im Bereich der Wettbewerbsfähigkeit in erster Linie mit Protektionismus reagieren würde, so Schumann.

Das Ziel sollte darin bestehen, die wirtschaftlichen Beziehungen zu China neu auszurichten, nicht sie abzubrechen, so der Verbandschef. Bedenken hinsichtlich Gegenseitigkeit, Marktzugang und Handelsungleichgewichten müssten durch Dialog und Konsultationen angegangen werden.

Schumann betrachtet es als Priorität für Deutschland, die industrielle Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen und gleichzeitig offen für einen der weltweit wichtigsten Märkte und Innovationszentren zu bleiben.

Die Handelspolitik könne den Branchen zwar etwas Luft verschaffen, könne aber nicht den Strukturwandel ersetzen, der zur Stärkung ihrer langfristigen Wettbewerbsfähigkeit erforderlich sei, so Schumann.

„China ist zu einem ernstzunehmenden industriellen Konkurrenten geworden, aber Wettbewerb sollte nicht mit Feindseligkeit verwechselt werden“, sagte der Verbandschef und beschrieb den Wettbewerb als potenziellen Motor für Innovation und Erneuerung.

Die Wettbewerbsfähigkeit Europas hänge letztlich von den eigenen Anstrengungen ab, die Energiekosten zu senken, Planungsverfahren zu beschleunigen, die Infrastruktur zu verbessern und mehr in Bildung und Forschung zu investieren. „China kann diese Arbeit nicht für uns erledigen, und Zölle können es auch nicht“, sagte Schumann.

Trotz immer lauter werdender Forderungen nach „De-Risking“ im europäischen politischen Diskurs würden deutsche Unternehmen weiterhin in China investieren, was eine Kluft zwischen politischer Rhetorik und unternehmerischen Entscheidungen verdeutliche, so Schumann.

Nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) investierten deutsche Unternehmen im Jahr 2025 mehr als sieben Milliarden Euro in China - der höchste Jahreswert seit vier Jahren. Eine aktuelle Umfrage der Deutschen Handelskammer in China habe ergeben, dass 61 Prozent der deutschen Unternehmen vorhätten, ihre Investitionen in China in den kommenden zwei Jahren zu erhöhen - der höchste Anteil seit 2023, so Schumann.

Auch das Investitionsverhalten verändert sich. Bereits in China etablierte deutsche Unternehmen reinvestieren vor Ort, bauen ihre Forschungs- und Entwicklungskapazitäten aus und lokalisieren ihre Lieferketten im Rahmen einer „In China, für China“-Strategie. Die deutschen Unternehmenszentralen würden zunehmend von ihren chinesischen Niederlassungen lernen, was einen stärker wechselseitigen Austausch von Wissen und Innovation widerspiegele, so Schumann.

Schumann, der im Laufe eines Jahres mehrere Reisen nach China unternommen hat, sagte, er habe die Dynamik der chinesischen Wirtschaft aus erster Hand miterlebt.

Ein Besuch in der Elektrofahrzeugfabrik des chinesischen Technologieunternehmens Xiaomi in Beijing habe ihn tief beeindruckt. „Der Grad der Automatisierung und die Produktionseffizienz waren wirklich beeindruckend“, so Schumann. Die Erfahrung habe einen Einblick in das Tempo und das Ausmaß der industriellen Innovation in China geboten.

„Chinas dynamisches Innovationsumfeld ist wie ein ‚Fitnessraum‘ für ausländische Unternehmen, in dem sie ihre Fähigkeiten testen, sich an neue Entwicklungen anpassen und ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken können“, so Schumann. Deutsche Unternehmen würden ihre Präsenz in China nicht nur ausbauen, um Zugang zum chinesischen Markt zu erhalten, sondern auch, um mit globalen Fertigungsnetzwerken und aufstrebenden Technologien in Verbindung zu bleiben.

Anstatt China ausschließlich als Konkurrenten zu betrachten, sollten deutsche Unternehmen nach Möglichkeiten suchen, auf ihren komplementären Stärken aufzubauen, so Schumann. Die Zukunft der deutschen Automobilindustrie werde nicht nur von ihrer Fähigkeit abhängen, mit chinesischen Herstellern zu konkurrieren, sondern auch davon, wie effektiv sie sich an die technologischen Veränderungen anpasse, die den globalen Markt prägen.

„Die Aufrechterhaltung offener und pragmatischer Wirtschaftsbeziehungen zu China ist unerlässlich, um die industrielle Basis Deutschlands zu sichern und sein zukünftiges Wachstum zu gewährleisten“, sagte Schumann. Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern könne ihren Unternehmen helfen, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und den Wandel der globalen Automobilindustrie zu meistern.