
Ein Gast mit einer Broschüre in der Hand nimmt am 18. Taicang-Tag in München teil, 16. April 2026. (Foto von Zhao He/Xinhua)
BERLIN, 27. Oktober (Xinhua) -- Als zwei große Volkswirtschaften mit engen Geschäftsbeziehungen und sich ergänzenden Stärken können China und Deutschland erheblich von einer intensiveren Zusammenarbeit und einem engeren Austausch profitieren.
Der Staatsbesuch des deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier in China - der erste seit fast acht Jahren - bietet die Gelegenheit, die Grundlagen der deutsch-chinesischen Wirtschaftskooperation zu stärken und neue Wege für eine für beide Seiten vorteilhafte Entwicklung zu erkunden.
Für Deutschland gilt China als Partner bei der Bewältigung globaler Herausforderungen und als Konkurrent in Wirtschafts- und Handelsfragen. Bedenken hinsichtlich des industriellen Wettbewerbs und der Handelsungleichgewichte haben Forderungen nach einem härteren Kurs gegenüber China verstärkt. Doch diese Herausforderungen sollten die umfassenderen Vorteile der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen nicht überschatten.
Der Handel zwischen den beiden Ländern spiegelt ihre jeweiligen Stärken, Marktbedürfnisse und unternehmerischen Entscheidungen wider. Anstatt zuzulassen, dass der Wettbewerb die Zusammenarbeit untergräbt, können beide Seiten davon profitieren, wenn sie die Bedenken im Dialog angehen.
Die Investitionszahlen veranschaulichen dies eindrucksvoll. Laut einer vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) veröffentlichten Analyse investierten deutsche Unternehmen im ersten Halbjahr 2026 rund 5,6 Milliarden Euro (etwa 6,5 Milliarden US-Dollar) in China - rund ein Drittel mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Eine in der Analyse angeführte Umfrage der Deutschen Handelskammer in China ergab, dass mehr als 85 Prozent der in China tätigen deutschen Unternehmen beabsichtigten, ihre Präsenz aufrechtzuerhalten oder auszubauen, während mehr als die Hälfte eine Erhöhung ihrer Investitionen plante.
Für deutsche Unternehmen bieten Investitionen in China mehr als nur den Zugang zu einem großen Markt. Chinas sich rasch wandelnde Industrielandschaft und seine ausgeprägten Innovationsfähigkeiten bieten zudem Chancen, neue Technologien zu erproben, Produkte zu verbessern und schneller auf sich ändernde Marktanforderungen zu reagieren. Das in China gewonnene Know-how kann wiederum deutschen Unternehmen helfen, ihre Wettbewerbsfähigkeit im Inland und auf internationalen Märkten zu stärken. Dies macht eine fortgesetzte Präsenz in China zu einer strategischen Geschäftsentscheidung und nicht nur zu einem Mittel zur Umsatzsteigerung.
Steinmeiers geplanter Besuch im Technologiezentrum von Volkswagen in Hefei in der ostchinesischen Provinz Anhui ist ein konkretes Beispiel für diese Zusammenarbeit. Das Zentrum vereint Fahrzeugentwicklung, Komponentenforschung und -entwicklung, Beschaffung sowie Erprobung unter einem Dach und ermöglicht es Volkswagen laut eigenen Angaben, Fahrzeuge vor Ort zu entwickeln und zu validieren sowie die Markteinführungszeit um rund 30 Prozent zu verkürzen.
Diese wirtschaftlichen Realitäten bieten auch eine praktische Lektion für politische Entscheidungsträger: Wettbewerb muss nicht auf Kosten der Zusammenarbeit gehen. Der Vorsitzende des Vorstands der Siemens AG Roland Busch erklärte im August gegenüber der Zeitung „Welt am Sonntag“, dass chinesische Unternehmen zu äußerst fähigen Wettbewerbern geworden seien, und verwies dabei auf starke Ingenieurteams, innovative Produkte und die schnelle Einführung neuer Technologien, einschließlich Künstlicher Intelligenz. Er warnte davor, Industrien mit Zöllen vom Wettbewerb abzuschirmen.
Der Vorsitzende des Vorstands der BMW AG Milan Nedeljković sprach sich in einem im vergangenen Monat in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ veröffentlichten Interview ebenfalls gegen eine Verschärfung der Handelsspannungen aus. An einer Eskalation sei niemand interessiert, sagte er und forderte Dialog zur Lösung von Handelsstreitigkeiten.
Die Interessen deutscher Unternehmen in China spiegeln eine umfassendere Realität wider: Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen China und Deutschland sind tief in der industriellen Entwicklung beider Länder verankert. China war in neun der letzten zehn Jahre Deutschlands größter Handelspartner, und die Beziehungen reichen weit über den Austausch von Fertigprodukten hinaus und umfassen auch die Bereiche Fertigung, Forschung und Investitionen.
Für viele Unternehmen in beiden Ländern trägt die Zusammenarbeit in diesen Bereichen dazu bei, innovativ zu sein, wettbewerbsfähig zu bleiben und globale Märkte zu erschließen. Bei der Erhaltung und Vertiefung dieser Verbindungen geht es daher nicht nur um die Aufrechterhaltung der Handelsströme, sondern auch darum, neue Wachstumschancen für beide Volkswirtschaften zu schaffen.
Es steht mehr auf dem Spiel als nur der bilaterale Handel. Als zweit- und drittgrößte Volkswirtschaft der Welt haben China und Deutschland, die umfassende strategische Partner sind, ein gemeinsames Interesse an globaler wirtschaftlicher Stabilität, Klimaschutz und multilateraler Zusammenarbeit.
Da Protektionismus und Unsicherheiten die globalen Lieferketten beeinträchtigen, können die beiden Länder den negativen Auswirkungen entgegenwirken, indem sie die wirtschaftlichen Kanäle offenhalten, Handelsbedenken im Dialog angehen und im Rahmen der Welthandelsorganisation zusammenarbeiten. Stabilere und ausgewogenere Wirtschaftsbeziehungen kämen Unternehmen und Verbrauchern in beiden Ländern zugute und würden gleichzeitig das globale Wachstum fördern.
Steinmeiers Besuch bietet die Gelegenheit, das gegenseitige Vertrauen zu festigen, das gegenseitige Verständnis zu stärken und die Dynamik der praktischen Zusammenarbeit aufrechtzuerhalten. In einer Welt wachsender Unsicherheit kann eine stabile und konstruktive chinesisch-deutsche Beziehung das globale Wirtschaftswachstum stützen und dazu beitragen, ein berechenbareres internationales Umfeld zu schaffen.
