Interview: Bosch-Vorstandsvorsitzender bezeichnet China als treibende Kraft für KI-gestützte Fertigung - Xinhua | German.news.cn

Interview: Bosch-Vorstandsvorsitzender bezeichnet China als treibende Kraft für KI-gestützte Fertigung

2026-04-24 13:52:04| German.news.cn
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Das Foto zeigt Roboter in einer Werkstatt der Inovance Group im Bezirk Jiangning in Nanjing in der ostchinesischen Provinz Jiangsu, 17. März 2026. (Xinhua/Ji Chunpeng)

HANNOVER, Deutschland, 23. April (Xinhua) -- China entwickle sich zu einem globalen Schlüsselakteur der KI-gestützten intelligenten Fertigung, sagte Stefan Hartung, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH. Der deutsche Technologieanbieter erweitert zurzeit seine industriellen KI-Anwendungen und baut seine lokale Innovationspräsenz aus.

Im Fertigungsprozess verwandle sich KI rasch von einem unterstützenden Werkzeug zu einer eingebetteten Entscheidungsebene und ermögliche so eine engere Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine, sagte Hartung kürzlich in einem Interview mit Xinhua auf der Hannover Messe, Deutschlands führender Industriemesse.

Bosch treibe sein Konzept der „agentischen KI“ voran, das Menschen, Maschinen und digitale Systeme in einen einheitlichen Betriebsrahmen integriert, um dem Arbeitskräftemangel, der steigenden Komplexität und dem Kostendruck in der industriellen Produktion zu begegnen, merkte er an.

In diesem Konzept können agentenbasierte KI-Systeme die Produktion in Echtzeit überwachen, Abweichungen frühzeitig erkennen und Korrekturmaßnahmen einleiten, bevor es zu größeren Ausfällen kommt. Wenn doch einmal Störungen auftreten, können Mitarbeiter über Sprach- oder Chat-Schnittstellen direkt mit den KI-Systemen interagieren.

Das System kann zudem Handbücher abrufen, Schichtprotokolle analysieren und Schritt-für-Schritt-Anleitungen zur Fehlerbehebung bereitstellen, während es Vorfälle automatisch dokumentiert und Lösungen an Werke weitergibt, die ähnliche Anlagen nutzen.

„KI-Agenten können Fragen bis zu dreimal genauer beantworten als isolierte Systeme und den Aufwand für manuelle Dokumentation und Datenabgleich um bis zu 50 Prozent reduzieren“, sagte Hartung und fügte hinzu, dass die Auswirkungen in großen industriellen Umgebungen in großem Maßstab immer deutlicher würden.

Er verwies auf die Smart Factory von Bosch in der ostchinesischen Stadt Suzhou als Beispiel dafür, wie agentenbasierte KI in der Industrie eingesetzt wird.

In diesem Werk haben Bosch-Ingenieure eine agentenbasierte KI-Plattform für die Industrialisierung neuer Produkte entwickelt, die fast 30 KI-Modelle und mehrere Agenten für die Qualitätsprüfung und Produktionsvorbereitung zusammenführt.

Das System verkürzt laut Hartung Prozesse, die zuvor mehrere Wochen dauerten, auf etwa ein bis zwei Wochen und wird nun schrittweise in Bosch-Werken in Europa und Nordamerika eingeführt.

Angesichts Chinas umfangreicher Produktionsbasis, der schnellen Einführung neuer Technologien und des großen Pools an Ingenieurtalenten, spiele das Land bei dieser Transformation eine besonders wichtige Rolle, so Hartung.

„Das Innovationstempo in China ist extrem hoch. In China wird KI bereits in allen Produktionsphasen breit eingesetzt, vom Workflow-Design bis zum Fabrikmanagement in Zusammenarbeit mit menschlichen Teams“, sagte er.

China ist weiterhin Boschs größter Einzelmarkt für Automobil- und Industrietechnik in Asien und trägt so zum globalen Wachstum des Unternehmens bei.

Im Jahr 2025 erzielte Bosch in China einen Umsatz von 149,8 Milliarden Yuan (etwa 21,9 Milliarden US-Dollar), was einem Anstieg von 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Hartung erklärte, dass Chinas Größe und technologische Dynamik weiterhin die strategische Bedeutung des Landes für den Konzern unterstreichen würden.

Das weltweite Produktionsnetzwerk von Bosch umfasst mehr als 220 Werke, davon 38 in China. Damit sei das Land nicht nur ein wichtiger Produktionsstandort, sondern auch eine zunehmend wichtige Quelle für industrielle Innovationen, so Hartung.

„Wir beobachten in China eine starke Innovationsdynamik, die durch Talente aus den Universitäten und ein sehr starkes Produktionsökosystem unterstützt wird“, sagte Hartung.

Bosch beschäftigt in China rund 57.000 Mitarbeiter und hat in den letzten Jahren jährlich durchschnittlich rund sechs Milliarden Yuan (etwa 879 Millionen US-Dollar) investiert, was vor allem auf die Größe des Marktes und den technologischen Wandel zurückzuführen sei, sagte er.

„Für uns ist dies eine langfristige strategische Investition“, fügte Hartung hinzu. „Wir werden unsere Investitionen weiter erhöhen und die lokale Innovation sowie die industrielle Zusammenarbeit vertiefen.“

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