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Kommentar: Die globale Wirtschaftsordnung zu gegebener Zeit umgestalten

German.xinhuanet.com | 02-09-2016 09:25:04 | Xinhuanet

Das Foto vom 31. Auguts 2016 zeigt Blumendekoration und das Logo des G20-Gipfels außerhalb des Mediencenters in Hangzhou, der Hauptstadt der ostchinesischen Provinz Zhejiang. Der G20-Gipfel wird am 4. und 5. September in Hangzhou stattfinden. (Xinhua/ Xing Guangli)

Von Liu Jie

HANGZHOU, 1. September (Xinhuanet) – Wenn sich die Führungen der Grupe Zwanzig (G20) in China versammeln, um eine Lösung für das träge Weltwirtschaftswachstum zu finden, wird auch etwas anderes von gleicher Bedeutung auf dem Tisch sein: die globale wirtschaftliche Verwaltung umzugestalten.

Während die Weltwirtschaft weiterhin schwächelt, sind fortgeschrittene Volkswirtschaften, im Rausch von „Helikoptergeld“ und mit trägem Wachstum und Strukturproblemen beladen, weniger als zuvor in der Lage, als der Wirtschaftsmotor der Welt aufzutreten.

Schwellenländer andererseits haben Stärke und Widerstandsfähigkeit gezeigt. Anhand von Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF) stellten chinesische Ökonomen fest, dass Schwellen- und Entwicklungsländer zwischen 2008 und 2015 im Durchschnitt für 80,2 Prozent des globalen jährlichen Wachstums aufkamen, weit höher als die 40 Prozent, die zwischen 2000 und 2007 verzeichnet wurden.

In den nächsten fünf Jahren wird ihr Beitrag zum Weltwirtschaftswachstum auf 57 Prozent zurückgehen, doch auch diese Zahl ist noch signifikanter als jene der entwickelten Länder.

Die Veränderungen der globalen Wirtschaftslandschaft waren zu groß, während die Veränderungen des globalen Ordnungsrahmens zu klein waren.

Da die bestehende globale Architektur der Wirtschaftsordnung von den Vereinigten Staaten entworfen wurde, der einzigen Supermacht der Welt, sind Entwicklungsländer in der globalen Wirtschaftsordnung traditionell unterrepräsentiert.

In diesem Jahr gab es einen bedeutenden Schritt vorwärts für die Reform der globalen Wirtschaftsordnung, da eine Reform der IWF-Quoten, welche Schwellenländern mehr Mitsprache einräumte, in Effekt trat, nachdem die Vereinigten Staaten einheimische legislative Barrieren ausgeräumt hatten.

Die Reform erhob China vom sechst- zum drittgrößten Teilhaber an dem Fonds. Auch andere Schwellenländer wie Indien, Russland und Brasilien erhielten mehr Anteile.

Die Veränderung war hart erkämpft, in Anbetracht der Hartnäckigkeit und der Langsamkeit des US-Kongresses bei der Reaktion auf das sich verändernde globale Umfeld. Allerdings gibt die derzeitige Struktur nicht den globalen Wirtschaftsstatus wieder. Die Reform der wichtigsten globalen multilateralen Organisationen ist noch lange nicht beendet.

Die Ansichten und Stimmen von Entwicklungsländern sollten öfter gehört werden. Die Stimmenanteile von Entwicklungsländern sollten im Einklang mit ihrem Anteil am globalen Wachstum erhöht werden.

Es Schwellenländern zu ermöglichen, größere Stimmen zu haben, ist unabdingbar für ein gerechteres und vernünftiges globales Ordnungssystem. Noch wichtiger, gleiche Chancen in der globalen Zusammenarbeit in Bezug auf Rechte und Regeln werden es Schwellenländer ermöglichen, mehr Potential zu entfesseln und ihre Produktivität zu fördern.

Rom wurde nicht an einem Tag erbaut. Es ist unrealistisch zu erwarten, dass die alte Ordnungsarchitektur schnell repariert werden kann.

In Anerkenntnis der Mängel am bestehenden System hat China, gemeinsam mit anderen entwickelten und Entwicklungsländern, neue multilaterale Entwicklungsagenturen ins Leben gerufen, wie die Asiatische Infrastrukturinvestment Bank (AIIB).

Die AIIB zielt darauf ab, das bestehende System zu ergänzen, nicht herauszufordern. Ihr erster Präsident, Jin Liqun, hat dies damit verglichen, ein neues Restaurant in der selben Straße zu eröffnen, um mit enormer zusätzlicher Nachfrage umzugehen.

Mit dem IWF, der Weltbank, der Asiatischen Entwicklungsbank, der AIIB und anderen multilateralen Entwicklungsagenturen, die unabhängig voneinander arbeiten, doch auch in naher Verbindung zueinander stehen, entwickelt sich die globale Wirtschaftsordnung und wird modernisiert und umgeformt.

Mit einer Rekordzahl an Vertretern von Entwicklungsländern, die zum G20-Gipfel in Hangzhou eingeladen wurden, könnte der Gipfel die größte Repräsentationskraft für Entwicklungsländer in der Geschichte der G20 darstellen.

Der G20-Mechanismus verändert sich von der Behandlung von Krisen zur langfristigen Ordnungspolitik. Die Mitglieder sollten die historischen Chancen in Hangzhou wahrnehmen, um die globale Ordnung zu gegebener Zeit umzugestalten.

(gemäß der Nachrichtenagentur Xinhua) 

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